Geburtshilfe und Hebammenversorgung

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett gehören zu den häufigsten Behandlungsanlässen in Deutschland. Rechnet man Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüche hinzu, dann sind etwa eine Million Frauen im Jahr betroffen.

Dabei ist die Versorgung rund um die Geburt der einzige Bereich, in dem ganz überwiegend Gesunde betreut werden. Das Nationale Gesundheitsziel (NGZ) „Gesundheit rund um die Geburt“, das 2017 vom BMG veröffentlicht wurde, trägt dem mit einem konsequent gesundheitsfördernden Ansatz Rechnung. Es geht von den Bedarfen der Frauen und ihrer Kinder aus und adressiert sektorenübergreifend den gesamten Betreuungsbogen und eine gute Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen.

Bereits seit Jahren ist eine große Unzufriedenheit mit der geburtshilflichen Versorgung festzustellen; insbesondere Elternverbände, aber auch die Leistungserbringer mahnen grundlegende Verbesserungen an (Hertle et al., 2021b).

Seit einigen Jahren entstehen auf kommunaler sowie auf Landes- und Bundesebene Bündnisse zur Förderung der physiologischen Geburt und zur Umsetzung des NGZ „Gesundheit rund um die Geburt“.

Dass es ein Umdenken braucht, ist auch in der Politik angekommen. Dies zeigt sich daran, dass die Umsetzung des auf die Förderung der physiologischen Geburt ausgerichteten NGZ ein erklärtes Ziel im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist. Die Frauen und ihre Fähigkeit zu Gebären sollen im Sinne des Empowermentgedankens möglichst umfassend, evidenzbasiert und bedarfsgerecht unterstützt werden.

Das BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg) unterstützt die Weiterentwicklung der Versorgung rund um die Geburt durch Analysen der geburtshilflichen Versorgung und stellt dazu außerdem interaktive Grafiken im Kompass „Geburtshilfe und Hebammenversorgung“ bereit.

Transparenz in der Geburtshilfe und Hebammenversorgung

Grundlage für Verbesserungen ist eine Bestandsaufnahme der aktuellen Versorgungssituation. Insbesondere im ambulanten Bereich ist das Versorgungsgeschehen bisher wenig transparent. Dies betrifft die Angebote und Leistungen sowohl der Frauenärztinnen und -ärzte als auch der Hebammen. Welche konkreten Leistungsangebote und Leistungen Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen erhalten und wie es um deren Qualität bestellt ist, ist weitgehend unbekannt. Bei den Hebammen kommt hinzu, dass die Datenlage auch hinsichtlich der Anzahl der Hebammen und ihres Tätigkeitsangebots und Tätigkeitsumfangs (Vollzeit/Teilzeit) sowie den von ihnen abgerechneten Leistungen unvollständig ist.

Jetzt reinhören: bifg zu Gast im Podcast „Hebammenkundig“

In der Folge „Vitale Lebensphasen versus Risikoorientierung“ des Podcast „Hebammenkundig“ gibt Frau Dr. med. Dagmar Hertle, Autorin des Hebammenkompasses, spannende Einblicke zu ihrer Arbeit bei uns im Institut. Sie teilt wertvolle Erkenntnisse aus unseren neuesten Publikationen und ordnet diese gesundheitspolitisch ein. Weiteres zentrales Thema der Folge: Das Nationale Gesundheitsziel „Gesundheit rund um die Geburt“. Dr. Hertle erklärt, wie dieses verbindlich vereinbart wurde und wie Hebammen es in ihrer täglichen Arbeit nutzen können.

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Frauen und Geburten in Deutschland

Der Kompass „Geburtshilfe und Hebammenversorgung“ stellt neben Leistungsangeboten und dem Leistungsgeschehen auch allgemeine Daten zur Bevölkerungsentwicklung und zu Geburten in Deutschland bereit, die für das Thema relevant sind.

Bevölkerung, Geburten, Wanderungssaldo nach Bundesländern

Hier können Sie sich einen Überblick zur Bevölkerungsentwicklung und zu den Geburtenzahlen seit dem Jahr 2000 verschaffen.

Prognose der Geburten und der Anzahl an Frauen im gebärfähigen Alter

Für die Versorgungsplanung ist nicht nur die aktuelle Entwicklung der Geburtenzahlen wichtig, sondern auch die zukünftige. Hierfür stellt der Versorgungskompass Prognosen zu Geburten und der Anzahl an Frauen im gebärfähigen Alter bereit, die auch für die einzelnen Bundesländer abrufbar sind.

Geburtsmodus

Die Förderung möglichst interventionsarmer Geburten ist das erklärte Ziel des NGZ „Gesundheit rund um die Geburt“. Die Frauen und ihre Fähigkeit zu Gebären sollen im Sinne des Empowermentgedankens möglichst umfassend, evidenzbasiert und bedarfsgerecht unterstützt werden. Derzeit sind die Interventionsraten in Deutschland im internationalen Vergleich hoch.

Die bereitgestellten Grafiken stellen den Anteil an Kaiserschnittgeburten, vaginal-operativen Geburten und vaginalen Geburten ohne operativen Eingriff dar.