Marktausschöpfung von Sicherstellungskrankenhäusern: Methodik und illustrative Anwendung

Martin Rößler, Danny Wende

30. Oktober 2026

Um die stationäre Grundversorgung auch in dünn besiedelten Regionen zu gewährleisten, können Krankenhäuser unter bestimmten Voraussetzungen Sicherstellungszuschläge erhalten. Zu diesen Voraussetzungen zählt, dass die betreffenden Krankenhäuser für die Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar sind und ihr regionales Marktpotenzial weitgehend ausschöpfen. Weichen Patientinnen und Patienten hingegen bereits heute auf alternative Versorgungsangebote aus, deutet dies sowohl auf eine bestehende Fahrbereitschaft als auch auf eine höhere Attraktivität der Alternativangebote hin. Bislang fehlte jedoch eine etablierte Methodik, um solche Situationen empirisch zu identifizieren.
Vor diesem Hintergrund entwickelt das vorliegende ePaper eine Methodik zur Messung der Marktausschöpfung von Sicherstellungskrankenhäusern und wendet diese exemplarisch auf die Fachabteilungen Innere Medizin und Allgemeine Chirurgie an. Grundlage sind bundesweite Routinedaten der Ersatzkassen (vdek) aus dem Jahr 2025 mit mehr als 1,45 Millionen Krankenhausfällen in der Inneren Medizin und über 730.000 Fällen in der Chirurgie. 
Die Ergebnisse zeigen eine erhebliche Heterogenität zwischen den betrachteten Sicherstellungskrankenhäusern. Mehr als die Hälfte der untersuchten Einrichtungen behandelte weniger Fälle, als aufgrund ihres regionalen Marktpotenzials zu erwarten gewesen wären. Marktausschöpfungen von unter 90 Prozent fanden sich bei 51 der 98 Krankenhäuser im Bereich der Inneren Medizin sowie bei 44 der 97 Krankenhäuser im Bereich der Chirurgie. Zudem lagen die Belegungstage und der CMI häufig unter den erwarteten Werten, was auf eine Konzentration auf Fälle mit geringerer Fallschwere hindeutet. 
Das ePaper zeigt, dass eine datenbasierte Bestimmung der Marktausschöpfung von Sicherstellungskrankenhäusern auf Grundlage bestehender Routinedaten möglich ist. Die vorgestellte Methodik kann dazu beitragen, potenzielle Fehlsteuerungen frühzeitig zu identifizieren und eine evidenzbasierte Grundlage für Entscheidungen in der Krankenhausplanung und Krankenhausfinanzierung zu schaffen.

Autor(inn)en:Martin Rößler, Danny Wende Keywords:Sicherstellungszuschläge, Krankenhaus, Krankenhausfinanzierung, Versorgung, Routinedaten PDF, 1.41 MB DOI 10.30433/EPGSF.2026.004 CC BY-ND 4.0
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