Wie kommen Patientinnen und Patienten zu ihrem Arzneimittel? Ambulante Distribution, regionale und patientenbezogene Unterschiede in der ambulanten Arzneimittelversorgung der GKV

Danny Wende, André Breddemann, Stefan Prüller, Nikolaus Schmitt

7. Oktober 2026

Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) hat der Gesetzgeber eine umfassende Reform des Apothekenwesens beschlossen. Ziel der Reform ist es, die flächendeckende Arzneimittelversorgung langfristig zu sichern und insbesondere in ländlichen Regionen die wirtschaftliche Situation der Apotheken zu stärken. Gleichzeitig wird vor dem Hintergrund rückläufiger Apothekenzahlen intensiv diskutiert, welche Bedeutung Vor-Ort-Apotheken, Botendienste und Versandangebote künftig für die Arzneimittelversorgung haben werden.
Dieses ePaper untersucht die Distributionswege von Arzneimitteln in der gesetzlichen Krankenversicherung anhand von BARMER-Routinedaten der Jahre 2024 und 2025. Analysiert wurden ca. 107 Millionen Arzneimittelbelieferungen von rund 7,3 Millionen Versicherten hinsichtlich der tatsächlich genutzten Versorgungswege, darunter Vor-Ort-Apotheken, Botendienste, Krankenhausapotheken und Versandapotheken. Die Ergebnisse wurden der potenziellen Erreichbarkeit von Apotheken gegenübergestellt und um Simulationen einer weiter rückläufigen Apothekenlandschaft ergänzt.
Es zeigte sich, dass die Arzneimittelversorgung trotz sinkender Apothekenzahlen weiterhin überwiegend wohnortnah und präsenzgebunden erfolgte. Rund 90 Prozent aller Belieferungen fanden über den direkten Kontakt mit einer Apotheke statt. Gleichzeitig offenbarten alternative Distributionswege unterschiedliche Funktionen. Botendienste spielten insbesondere für ältere und pflegebedürftige Menschen eine wichtige Rolle, während Versandangebote vor allem von Personen mittleren Alters genutzt wurden. Diese indirekten Versorgungswege waren zudem gerade bei potenziell weiten Wegen zu Vor-Ort-Apotheken vorherrschend.
Insgesamt zeigten die Analysen, dass Apothekenlandschaft weiterhin sehr stark aufgestellt ist und bei der Schließung der allermeisten Apothekenstandorte keine nennenswerten Einschränkungen für die Bevölkerung zu erwarten sind.

Autor(inn)en:Danny Wende, André Breddemann, Stefan Prüller, Nikolaus Schmitt Keywords:Apotheken, Belieferungen, Erreichbarkeit, Distributionswege PDF, 1 MB DOI 10.30433/ePGSF.2026.003 CC BY-ND 4.0
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