Brustkrebsfrüherkennung: Ein Beitrag zur Frage, ob die Altersgrenzen des Mammographie-Screening-Programms in Deutschland ausgeweitet werden sollten

Dagmar Hertle, Danny Wende, Claudia Schulte, Ingrid Mühlhauser

Untersuchungen der Brust erfolgen entweder als Abklärungsdiagnostik, als Kontrolluntersuchungen oder im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms (MSP) bei beschwerdefreien Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Derzeit wird eine Ausweitung der Altersgrenzen des MSP auf Frauen ab 45 und bis 75 Jahren diskutiert. Das neue ePaper des bifg nimmt Bezug auf den Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur Nutzenbewertung der Altersausweitung. Routinedaten der BARMER können einen Beitrag zur Erweiterung der Datengrundlage für Deutschland leisten. Betrachtet wurden Mammographien, die innerhalb und außerhalb des MSP durchgeführt wurden. Über den 2-Jahreszeitraum 2018/2019 wurde bei jeder dritten Versicherten zwischen 30 und 79 Jahren mindestens eine Mammographie abgerechnet. In der Altersgruppe des MSP (50-69 Jahre) wurde etwa fünfmal häufiger eine Brustkrebsdiagnose außerhalb des MSP gestellt, wobei 83% der Mammographien innerhalb des MSP stattfanden. Es werden also vergleichsweise wenige Brustkrebsdiagnosen im MSP gestellt. Bei jüngeren Frauen, bei denen Brustkrebs seltener auftritt, dürfte sich dies eher verstärken. Das IQWiG verweist auf mögliche Schäden des MSPs durch Überdiagnosen, falsch positive Diagnosen sowie auf fehlende Daten zu unerwünschten Ereignissen und zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Verlässliche Daten fehlen außerdem zu den vermutlich häufigen und als Selbstzahlerleistungen durchgeführten Sonographien und den daraus resultierenden Folgeuntersuchungen und Diagnosen.

Keywords:Mammographie, Mammographie-Screening-Programm, Brustkrebs, Brustkrebsfrüherkennung, Altersgrenzen PDF, 424,9 KB DOI 10.30433/ePGSF.2022.005 Lizenziert unter CC BY-ND 4.0
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